Autoren + Bücher + Verlage »2000«Ergebnisse unserer Leserumfrage aus Hausmitteilung #18Zum dritten Mal nach 1998 und 1999 fragten wir Sie in unserer Weihnachtsausgabe nach Ihren persönlichen Büchern und Autoren des vergangenen Jahres. Vielgekauft, in aller Munde und überall präsent war natürlich Harry Potter, somit der große Favorit für die Wahl 2000, und es schien klar, daß mit Joanne K. Rowling nach Brigitte Reimann, Judith Hermann und Connie Palmen erneut eine Autorin gewürdigt wird. Es kam jedoch anders. »Die Nachrichten«, der Roman über den ostdeutschen Tagesschausprecher Jan Landers, dessen Leben durch eine Stasiaffäre eine jähe Wendung nimmt, wurde von Ihnen bei der Wahl zum Buch des Jahres häufiger als der Kinderklassiker genannt, der Autor und Journalist Alexander Osang gar zum Autoren des Jahres gekürt. Michel Houellebecq, als einziger Autor mit seinen »Elementarteilchen« bereits im Vorjahr plaziert, folgt vor Sebastian Haffner, dessen »Erinnerungen eines Deutschen« das erfolgreichste Sachbuch des vergangenen Jahres war. Volker Braun wurde häufig im Zusammenhang mit seiner Rede zum Büchner-Preis genannt, welche sich »Lichtjahre entfernt von aller Seichtigkeit umherum« darstellte, wie ein Einsender schrieb. Bernhard Schlink profitierte vom anhaltenden Erfolg seines »Vorlesers«, dem er die Erzählungssammlung »Liebesfluchten« anschloß, Uwe Johnson geriet durch die Verfilmung seiner »Jahrestage« in den Blickpunkt. Überhaupt wurden neben jungen Autoren wie Julia Franck oder Wladimir Kaminer häufig glückliche Wiederentdeckungen nichtaktueller Klassiker wie Johannes Bobrowski, Sylvia Plath oder Thomas Mann genannt. Bei der Wahl zum Verlag des Jahres ist zum dritten Mal der Frankfurter Suhrkamp Verlag auf dem ersten Platz notiert, mit großem Abstand vor Diogenes und dem Insel Verlag. S. Fischer folgt dank Osangs »Nachrichten« auf Platz 4, während etwas überraschend der Verlag C.H. Beck vor Rowohlt und Carlsen genannt wurde. Auffällig ist auch, daß mit Wagenbach, Carl Hanser, Aufbau oder Piper Vorjahresplazierte weniger Stimmen erhielten, und daß erneut kein Verlag aus dem Hause Bertelsmann auf den ersten zehn Plätzen zu finden ist. Auf die Benennung des schlechtesten Buches verzichten wir in diesem Jahr, denn es wurden von Else Buschheuers »Ruf mich an!« (»einfach nur schlecht geschrieben«) über Michel Houellebecqs »Elementarteilchen« (»eine Melange aus Rührseligkeit, Ekel und Selbstmitleid«) bis Sybille Bergs »Gold« (»peinlichste Selbstbeweihräucherung«) zwar viele Titel einmal benannt, aber es kristallisierte sich kein »Sieger« heraus, zumal wieder am häufigsten »Ich lese keine schlechten Bücher!« notiert wurde. Alles in allem waren es erneut interessante Ergebnisse, die zeigen, daß auch Bücher und Autoren fernab der großen Bestsellerlisten von neugierigen, hungrigen und unbeeindruckten Lesern beachtet werden. Wir werden am Ende des Jahres erneut fragen. Vielen Dank an alle, die bei der Wahl mitgemacht haben. Buchpakete gewonnen haben Stephan Lück, Marcus Wenske und Vera Grambow. |
- Alexander Osang: Die Nachrichten
Roman. S. Fischer, 448 Seiten, gebunden, 39,90 DM. Rezension >>>
- Joanne K. Rowling: Harry Potter
Roman. Carlsen. - Band 1: Harry Potter und der Stein der Weisen.
336 Seiten, gebunden, 28, DM. - Band 2: Harry Potter und die Kammer des Schreckens.
336 Seiten, gebunden, 28, DM. - Band 3: Harry Potter und der Gefangene von Askaban.
448 Seiten, gebunden, 30, DM. - Band 4: Harry Potter und der Feuerkelch.
448 Seiten, gebunden, 44, DM.
- Michel Houellebecq: Elementarteilchen
Roman. DuMont, 420 Seiten, gebunden, 44, DM.
- Sebastian Haffner: Geschichte eines Deutschen
Die Erinnerungen 1914-1933. DVA, 240 Seiten, gebunden, 39,80 DM. Rezension >>>
- Andreas Steinhöfel: Die Mitte der Welt
Roman. Carlsen, 460 Seiten, gebunden, 36, DM. Fischer Taschenbuch, 18,90 DM
- Bernhard Schlink: Liebesfluchten
Erzählungen. Diogenes, 320 Seiten, Leinen, gebunden, 39,90 DM.
- Henning Mankell: Mittsommermord
Roman. Zsolnay, 608 Seiten, gebunden, 45, DM.
- Haruki Murakami: Gefährliche Geliebte
Roman. Dumont, 230 Seiten, gebunden, 39,80 DM.
- Tad Williams: Otherland
Roman. Klett-Cotta. - Band 1: Stadt der goldenen Schatten.
919 Seiten, gebunden, 49,90 DM. - Band 2: Fluss aus blauem Feuer.
781 Seiten, gebunden, 49,90 DM. - Band 3: Berg aus schwarzem Glas.
825 Seiten, gebunden, 49,90 DM.
- Matthew Kneale: Englische Passagiere
Roman. DVA, 544 Seiten, gebunden, 49,80 DM. Rezension >>>
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Leon, Donna: Friends In High Places. Arrow, 23, DM. Leon, Donna: A Sea Of Troubles. Heinemann, DM 51,; erscheint im April. Kaum eine andere Krimiautorin erfreut sich einer so konstanten Popularität wie Donna Leon, und das völlig zurecht. Auf Englisch gibt es zwei Neuigkeiten: der bisher letzte Fall erscheint als Taschenbuch, und im April kommt wieder ein neues Buch. Diesmal dreht sich alles um eine weibliche Person, die inkognito unter den Fischern in der Lagune von Venedig ermittelt. Smith, Zadie: White Teeth. Penguin, 23, DM. Selten hat ein Debutroman soviel Aufsehen erregt wie »White Teeth«. Ein Buch über 3 Kulturen, 3 Familien und 3 Generationen. »Do believe the hype, buy into it, curl up with it, savour every sentence, then turn around and reread.« (The Times) Ishiguro, Kazuo: When We Were Orphans. Faber & Faber, 23, DM. Lange hat man auf ein neues Buch von Ishiguro warten müssen. England in den 1930ern. Christopher Blake ist der bekannteste Detektiv des Landes, und seine Fälle sind das Gesprächsthema der Londoner Gesellschaft. Aber da ist ein ungelöster Fall, der ihn nicht ruhen läßt das ungeklärte und mysteriöse Verschwinden seiner Eltern. Theroux, Paul: Fresh-Air Fiend. Penguin, 29, DM. Es gibt wohl keinen besseren lebenden Reiseschriftsteller, und hier sind seine gesammelten Werke von 1985 bis 2000. McCartney, Paul: Blackbird Singing. Faber & Faber, 50, DM. Viel zu erklären gibt es hier nicht. Gedichte und Songtexte von 1965 bis 2000, und es ist so manches Unbekannte dabei. Oates, Joyce Carol: Blonde. Fourth Estate, 26, DM. Ein Buch rund um den Mythos Marilyn Monroe, und wer dachte, er wüßte schon alles, wird erstaunt sein. Frau Oates steht ein wenig im Ruf einer Vielschreiberin, aber dies ist ihr bestes Buch seit Jahren. Coe, Jonathan: The Rotters Club. Viking, 49, DM. Coe hat mit seinen bisherigen Bücher bewiesen, daß er ein genauer Beobachter der britischen Gesellschaft ist. Diesmal geht's in das Birmingham der frühen 70er Jahre. Eine Gruppe von jungen Leuten übernimmt die Schülerzeitung und benutzt sie, um ihre Sicht der Dinge zu verbreiten. Starkey, David: Elizabeth. Vintage, 26, DM. Zugegeben, eine neue Biographie von Elizabeth I. klingt nicht besonders spannend. Bei Starkey handelt es sich aber um einen der unterhaltendsten Verfassungshistoriker, den ich kenne. Kurzweiliger kann Geschichte kaum sein. Williams, Tad: Otherland 4: Sea Of Silver Light. Orbit, 59, DM. Williams hat mit »Otherland« über Jahre neue Maßstäbe im Bereich science fiction gesetzt und hier ist endlich Teil 4. Kukil, Karen: Journals Of Sylvia Plath 19501962. Faber & Faber, 49, DM. Wer einen Einblick in das Leben von Sylvia Plath sucht, findet hier den direkten Einstieg. Zum ersten Mal im Paperback die kompletten Aufzeichnungen der bekanntesten amerikanischen Autorin der 50er/60er Jahre. Kneale, Matthew: English Passengers. Penguin, 23, DM; erscheint im April. Gescheiterte Schmuggler mit dem Segelschiff auf dem Weg nach Tasmanien, und das in Begleitung einer mehr als suspekten Expedition. Herrliche Verbindung von Abenteuer- und Historienroman und endlich im Taschenbuch. War für den Booker nominiert. Lloyd und Rees: The Boy Next Door. Heinemann, 33, DM; erscheint im April. Nach »Come Together« und »Come Again« bedarf das Autorenpaar keiner Vorstellung mehr. Neue tragische, witzige, banale Geschichten mit Hintersinn aus dem Leben einer Gruppen von Leuten um die 30. Sampson, Kevin: Leisure. Vintage, 23, DM. Menschen verändern sich, wenn sie in den Urlaub fahren. Ein Buch über all die normalen Verhaltensveränderungen, die immer dann eintreten, wenn sich Horden von Leuten in Richtung Costa del Sol bewegen. Eine Art Nachrichten aus dem Handtuchkrieg. | |  |