Hausmitteilung #15
Das Kundenmagazin der Connewitzer Verlagsbuchhandlung im März/April 2000

     

Sehr geehrte Kundschaft, liebe Freunde,

die Zeit vergeht. Kaum zu glauben, daß es nun schon 10 Jahre sind, die wir als Connewitzer Verlagsbuchhandlung existieren. Gegründet noch in den letzten Monaten der vergehenden DDR, erlebten wir als Unternehmen hautnah die aufregende Zeit des Umbruchs ebenso wie die oft schwierigen und wechselhaften Jahre danach. Wie so vieles hat sich auch die Buchbranche in dieser Zeit rasant entwickelt. Wir selbst begannen 1990 noch mit Schreibmaschine und grünem VLB (Verzeichnis lieferbarer Bücher, bestehend aus sechs Bänden Autoren-/Titelverzeichnis, sechs Bänden Schlagwortverzeichnis sowie zwei Register- und Ergänzungsbänden) als Standardausrüstung und waren stolz auf einen eigenen Telefonanschluß. Heute sind Computer, CD-ROM, ISDN und Internet so selbstverständlich, daß die Erinnerungen an die Anfänge manchmal unwirklich scheinen.

Uns ist nicht entgangen, daß die Buchhandlungen mancher Kollegen, die sich an Inhalten orientierten und damit für uns prägend waren, nicht mehr existieren, so die Huss’sche Buchhandlung in Frankfurt/Main, in der wir 1990 erstmals staunend vor dem Regal des Deutschen Klassiker Verlages standen, die Heinrich-Heine-Buchhandlung am Berliner Bahnhof Zoo oder der legendäre Buchhändler Niedlich in Stuttgart. Sie schafften nicht den Sprung in eine Zeit, in der es in der Verlags- und Buchhandelslandschaft weniger um die Bücher als vielmehr um Marktanteil, Verdrängung, Größe und Macht geht.

Es ist heute schwieriger, erfolgreich ein literarisch ambitioniertes Unternehmen zu führen. So sind wir denn sehr stolz auf die bisherigen 10 Jahre, auf die wir – auch durch Ihre ideelle und kaufkräftigen Unterstützung – nun zurückblicken können.

In der Hoffnung auf noch viele weitere solcher Jubiläen dankt und grüßt

Ihr Peter Hinke

CVB in Connewitz

Connewitzer Verlagsbuchhandlung – der Firmensitz zur Gründung in der Fritz-Austel-Straße (heute Bornaische Straße) 37/Connewitz.


Andreas Reimann erhält Literaturstipendium

Der Leipziger Autor Andreas Reimann erhält das Leipziger Literaturstipendium 2000 für sein Projekt einer Chronik der Leipziger Künstlerfamilie Reimann. Dieser Preis ist nach der Adolf-Mejstrik-Ehrengabe der Deutschen Schillerstifung die zweite Ehrung von Andreas Reimanns Werk binnen weniger Monate. In der Connewitzer Verlagsbuchhandlung erschien 1995 »Das Sonettarium«.

Selbstporträt

Selbstporträt von Andreas Reimann


Ihre Bücher und Autoren des Jahres 1999

Ergebnisse unserer Leserumfrage aus Hausmitteilung #14

Traditionsgemäß baten wir Sie in unserer letzten Hausmitteilung um Nennung der AutorInnen, Bücher und Verlage, die Ihnen im vergangenen Jahr wichtig erschienen. 117 Fragebögen wurden dabei von Ihnen ausgefüllt, wobei Sie 68 verschiedene AutorInnen, 142 Buchtitel und 44 Verlage nominierten. Wie schon die Umfrage des Vorjahres zeigte, geben die Ergebnisse der Einsendungen nicht unbedingt den Stand der Bestsellerlisten wieder, so daß wir zur Kenntnis nehmen durften, daß Sie als Leser weiterhin kritisch und weitgehend unbeeinflußt von den Werbetrommeln der Großverlage Büchern kaufen und beurteilen (wollen). Bei der Wahl zum Autor des Jahres behielt wie im Jahr zuvor eine Frau die Nase vorn. Die Nachfolgerin der 98er Siegerinnen Brigitte Reimann und Judith Hermann heißt Connie Palmen. Die Niederländerin, deren Titel »I.M. (Isch Meijer – In Margine, In Memoriam)« von Ihnen gleichzeitig zum Buch des Jahres gewählt wurde, überraschte mit diesem Erfolg. Gemeinsam mit dem französischen Autor Michel Houellebecq (»Ausweitung der Kampfzone« und »Elementarteilchen«) ließ sie die Konkurrenz mit Abstand hinter sich.

Überraschend war, daß Nobelpreisträger Günter Grass nicht ein Mal als Autor des Jahres genannt wurde und sein kommerziell erfolgreiches Buch »Mein Jahrhundert« schlecht wegkam. Als einziger bereits im Vorjahr genannter Autor ist Nick Hornby zum zweitenmal dabei.

Verlag des Jahres wurde wie im Vorjahr der Frankfurter Suhrkamp Verlag vor Diogenes, Rowohlt und dem Insel Verlag. Mit Wagenbach, Haffmans, Dumont, Alexander Fest und Piper gab es einige Aufsteiger, die noch im Vorjahr keine Rolle spielten, deren Engagement jedoch nun gewürdigt wurde. Erstaunlicherweise gelang es in diesem Jahr keinem Verlag des Hauses Bertelsmann, unter die ersten 10 zu kommen.

Als schlechtestes Buch des Jahres wurde am häufigsten »Neuland« von Luise Endlich genannt. Recht so!

Die Gewinner der ausgelobten Buchpreise sind Herr Ernst Scheibe, Mühltroff, Frau Birgit Schyns, Leipzig und Frau Andrea Erler, Leipzig.

Wir bedanken uns bei allen, die uns bei dieser Wahl unterstützt haben, und werden Ende des Jahres erneut fragen.

 


AutorInnen des Jahres 1999

 
  1. Connie Palmen
  2. Michel Houellebecq
  3. Radek Knapp
  4. Nick Hornby
  5. Frank McCourt
  6. Thomas Brussig
  7. Marcel Reich-Ranicki
  8. Birgit Vanderbeke
  9. Sándor Márai
  10. Walter Moers
C. Palmen: I.M.
 


Bücher des Jahres 1999

 
  1. Connie Palmen: I.M.
    Ischa Meijer – In Margine, In Memoriam. Diogenes, 399 Seiten, gebunden, 39,90 DM.

  2. Thomas Brussig: Am kürzeren Ende der Sonnenallee
    Roman. Volk und Welt, 156 Seiten, gebunden, 28,– DM.

  3. Sándor Márai: Die Glut
    Roman. Piper Verlag, 223 Seiten, gebunden, 36,– DM.
    Rezension

  4. Walter Moers: Die 131/2 Leben des Käpt’n Blaubär
    Roman. Eichborn, 702 Seiten mit zahlreichen Illustrationen und 2 Karten, gebunden, 49,80 DM.

  5. Radek Knapp: Herrn Kukas Empfehlungen
    Roman. Piper, 251 Seiten, gebunden, 38,– DM.

  6. Stephen Fry: Geschichte machen
    Roman. Haffmans Verlag, 464 Seiten, gebunden, 48,– DM.

  7. Michel Houellebecq: Elementarteilchen
    Roman. DuMont, 420 Seiten, gebunden, 44,– DM.

  8. Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben
    Autobiographie. DVA, 565 Seiten, gebunden, 49,80 DM.

  9. Birgit Vanderbeke: Ich sehe was, was du nicht siehst
    Erzählung. Alexander Fest Verlag, 128 Seiten, gebunden, 29,80 DM.

  10. Thomas Pynchon: Mason & Dixon
    Roman. Rowohlt, 1024 Seiten, gebunden, 58,– DM.

Brussig: Sonnenallee
 


Verlag des Jahres 1999

 
  1. Suhrkamp (1.)
  2. Diogenes (5.)
  3. Rowohlt (2.)
  4. Insel (10.)
  5. Wagenbach (–)
  6. Carl Hanser (3.)
  7. Haffmans (–)
  8. Aufbau (4.)
  9. DTV (7.)
  10. Dumont (–)
  11. Alexander Fest (–)
  12. Piper (–)
Treichel: Tristanakkord
 


Die schlechtesten Bücher des Jahres 1999

 
  1. Luise Endlich: Neuland
    Ganz einfache Geschichten. Transit, 180 Seiten, gebunden,34,– DM.

  2. Benjamin Lebert: Crazy
    Roman. Kiepenheuer & Witsch, Taschenbuch, 14,90 DM.

  3. Günter Grass: Mein Jahrhundert
    Steidl Verlag, 384 Seiten, gebunden, 48,– DM.

  4. David Guterson: Östlich der Berge
    Roman. Berlin Verlag, 368 Seiten, gebunden, 39,80 DM.

  5. Benjamin von Stuckrad-Barre: Soloalbum
    Roman. Kiepenheuer & Witsch, Taschenbuch, 16,90 DM.

Endlich: NeuLand
 


Die aktuellen Bestseller

 

Die aktuellen und die ewigen Bestseller der Connewitzer Verlagsbuchhandlung finden Sie in der Navigations-Spalte unter Buchhandlung:Bestseller.

 

Belletristik

 
1.Bernhard Schlink: Liebesfluchten
Diogenes/39,90 DM
Bestellen
2.Isabel Allende: Fortunas Tochter
Suhrkamp/49,80 DM
Bestellen
3.Wolfgang Hilbig: Das Provisorium
S. Fischer/39,80 DM
Bestellen
4.Michel Houellebecq: Elementarteilchen
Dumont/44,– DM
Bestellen
5.David Guterson: Schnee, der auf Zedern fällt
Berlin Verlag/25,– DM
Bestellen
Schlink: Liebesfluchten
 

Sachbuch

 
1.C. Remath/R. Schneider: Haare auf Krawall
CVB/24,80 DM
Bestellen
2.Florian Illies: Generation Golf
Argon/34,– DM
Bestellen
3.Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben
DVA/49,80 DM
Bestellen
4.Guido Knopp: Hitlers Kinder
C. Bertelsmann/46,90 DM
Bestellen
5.David Remnick: King of the World
Berlin Verlag/44,– DM
Bestellen
Remath/Schneider: Haare auf Krawall
 

Taschenbuch

 
1.Bernhard Schlink: Der Vorleser
Diogenes/14,90 DM
Bestellen
2.Frank McCourt: Die Asche meiner Mutter
btb/20,– DM
Bestellen
3.Isabel Allende: Aphrodite
Suhrkamp/19,80 DM
Bestellen
4.James Salter: Lichtjahre
Rowohlt TB/19,90 DM
Bestellen
5.Peter Hoeg: Die Frau und der Affe
Rowohlt TB/10,– DM
Bestellen
Schlink: Vorleser
 
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